Biomet is now Zimmer Biomet

X

Einwilligung

Diese Internetseite kann auf Ihrem Computer einen oder mehrere Cookies hinterlassen. Informationen zu Cookies allgemein und speziell den Cookies, die von dieser Internetseite gesetzt werden können, finden Sie in unseren Cookies-Grundsätzen. Angaben zur Verwaltung von Cookies und darüber, wie Sie verhindern können, dass sie auf Ihrem Computer abgelegt werden, finden Sie auf der Internetseite "All About Cookies". Wenn Sie weiterhin Internetseiten von Biomet nutzen, heißt dies für uns, dass Sie damit einverstanden sind, dass wir ein oder mehrere Cookies auf Ihrem Computer hinterlassen dürfen.

 

Traditionen auf dem Prüfstand

Perioperative Verfahrensschritte und valide Kriterien in der Endoprothetik

 

 

Was plausibel scheint und zudem schon immer so gemacht wurde, muss noch lange nicht sinnvoll sein. Metaanalysen erlauben es heute, immer mehr einzelne Schritte des ärztlichen Vorgehens auf den objektiven Prüfstand der Wissen-schaft zu stellen. Dr. Henrik Husted, Chefarzt der Abteilung für Endoprothetik an der Hvidovre Universitätsklinik in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, nahm auf dem Europäischen Rapid Recovery Symposium im November 2013 in Prag einige weitverbreitete Traditionen der Endoprothetik unter die Lupe.*

 

 

 

Inzisionsfolien

Die Folien, deren Verwendung Zeit und Geld kostet, sollen das Infektionsrisiko mindern. Nach der Auswertung von sieben randomisierten kontrollierten Studien kam Dr. Husted jedoch zum Schluss, dass sie genau das Gegenteil erreichen: Eine signifikant höhere Anzahl von Patienten wies nach der Verwendung einer Inzisionsfolie operationsbezogene Wundinfektionen auf. Waren die Folien mit Jod imprägniert, gab es bei den Ergebnissen keinen Unterschied zur Operation ohne Folie.

 

Blutsperre

Theoretisch hat die Verwendung der Blutsperre viele Vorteile: Sie soll den Blutverlust reduzieren, für einen unblutigen Operationssitus sorgen, die Verzahnung des Zements verbessern und die Operationszeit verkürzen. Die Metaanalyse von zehn randomisierten kontrollierten Studien ergab, dass der intraoperative und der absolute Blutverlust tatsächlich geringer sind. Für diesen Vorteil wird jedoch ein hoher Preis gezahlt: So war etwa die Anzahl von tiefen Venenthrombosen,
Lungenembolien und kleineren Komplikationen mit der Blutsperre signifikant höher. Auf den postoperativen Blutverlust und die Operationszeit hat sie keinen Einfluss.

 

Drainage und Kühlung

Zum Thema Drainage präsentierte Dr. Husted zwei Metaanalysen, von denen die erste die Hüft- und Knieendoprothetik und die zweite nur die Hüftendoprothetik
untersuchte. Beide Analysen kamen zu ähnlichen Ergebnissen: Mit Drainage werden mehr Bluttransfusionen benötigt. Die erste Analyse stellte zudem einen
höheren Blutverlust fest. Auch das Kühlen des Knies nach einem endoprothetischen Eingriff hielt einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Die halbstündige Kühlung nach der Implantation zeigte keinen Effekt auf Knieschmerz oder Flexion.

 

Minimalinvasive KTEP, Entlasskriterien

Der Vergleich der Ergebnisse zwischen minimalinvasiver und konventioneller Implantation von Knietotalendoprothesen fiel eindeutig zugunsten letzterer aus.
Die „neue Tradition“ des minimalinvasiven Vorgehens, so Dr. Husted, habe sich demnach nicht bewährt.
 

Ist das Ausmaß der Flexion nach der Implantation einer KTEP ein brauchbares Entlasskriterium? Die Antwort ist ein klares Nein: Es gibt keine Studie, welche
die Notwendigkeit eines bestimmten Flexionswinkels als Mindestmaß für die Entlassung belegte. Ebenso wenig gibt es einen Zusammenhang zwischen dem
Wert bei der Entlassung und der Flexion ein Jahr nach der Operation. Dagegen ist die Extension bei der Entlassung ein valider Prädiktor für die Extension nach
einem Jahr.
 

Bewegungsbeschränkung

Viele Rehabilitationsprotokolle legen dem Patienten nach der Implantation einer Hüftendoprothese Beschränkungen beim Bewegungsumfang auf, um
Luxationen kurz nach der Operation zu vermeiden. In der Hvidovre Universitätsklinik wurde diese Vorgabe 2010 gestrichen. Eine anschließende Untersuchung
vergleichbarer Patientengruppen vor und nach dieser Entscheidung kam zu dem Ergebnis, dass die Revisionsrate wegen früher Luxationen bei Patienten
ohne Bewegungsbeschränkungsempfehlung sogar niedriger war, als bei denen, die sich an solche hielten. Es gibt keine Studie, die Bewegungsbeschränkungen
nach einer primären Hüftgelenksimplantation unterstützt.

 

 

*Henrik Husted: Traditions in orthopaedics, European Rapid Recovery Symposium (November 2013).