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Bessere Versorgung, kürzere Verweildauer

Expertenforum diskutiert die Zukunft des Gelenkersatzes

 

 

 Prof. Joachim Schmidt (links), Prof. Henrik Kehlet

 

Bei einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion in der Kölner Orthoparc-Klinik am 18. September stand der Zusammenhang zwischen Versorgungsniveau
und Verweildauer im Mittelpunkt. Denn im internationalen Vergleich ist die Zeit, die Patienten nach einer endoprothetischen Operation in der Klinik verbringen, in Deutschland sehr hoch. Während skandinavische Patienten bereits nach rund drei Tagen wieder in ihren Alltag zurückkehren, beträgt die durchschnittliche Verweildauer hierzulande immer noch etwa 12 Tage. In Großbritannien entlassen manche Operateure die Patienten, die einen unikondylären Kniegelenkersatz erhalten, bereits nach 24 Stunden – ohne Abstriche bei der Qualität.


Aus medizinsicher Sicht haben für den Patienten nach einer endoprothetischen Operation zwei Dinge Vorrang: die wirksame Schmerzbehandlung und die frühe Mobilisierung. Dies war die zentrale These von Prof. Dr. Henrik Kehlet von der Universität Kopenhagen. So kann der Patient rascher genesen und wieder in seine vertraute Umgebung zurückkehren. Prof. Kehlet gilt als der Vater der Fast-Track-Chirurgie, die zum Ziel hat, mittels evidenzbasierter
Behandlungs-methoden eine möglichst sichere Operation sowie eine zügige und schmerzfreie Mobilisierung und Rehabilitation des Patienten zu erreichen.

 

Untere Verweildauergrenze hinterfragen

 

Eine kurze Verweildauer könne auch ein Indiz für eine gute medizinische Behandlung sein, konstatierte Prof. Dr. Joachim Schmidt, Ärztlicher Direktor der Orthoparc-Klinik. „Wenn die Behandlungsabläufe stimmen und die qualitativen Entlasskriterien erreicht sind, gibt es keinen Grund einen Patienten länger als unbedingt notwendig dazubehalten.“ Er verwies auf die Erfolge, die in seinem Haus seit der Einführung von Rapid Recovery erzielt wurden.

 

Als eines von 14 Krankenhäusern in Deutschland arbeitet die Klinik nach Rapid Recovery-Prinzipien und konnte so die durchschnittliche Verweildauer von Gelenkersatzpatienten auf fünf bis acht Tage senken. Prof. Schmidt kritisierte im Rahmen der Podiumsdiskussion das in Deutschland gültige Honorierungssystem der DRGs. Dieses vergütet mit einer Pauschale Kliniken für ihre medizinische Leistung in einem Verweildauerkorridor und belohnt die Kliniken, die möglichst wenig Ressourcen einsetzen. Seiner Meinung nach müssten die Krankenkassen stattdessen die Qualität honorieren und damit zur Senkung der Verweildauer aufgrund qualitativer anstatt rein ökonomischer Gründe beitragen. In der Orthoparc-Klinik wird regelmäßig nach interdisziplinären, qualitativen Entlasskriterien evaluiert. Sind aus Qualitätsperspektive die Kriterien erfüllt, wird der Patient entlassen. Die Verweildauer wird nicht anhand ökonomischer Parameter festgelegt.

Die medizinische Kompetenz solle da bleiben, wo sie hingehört, befand Dr. Jan Helfrich von der DAK Gesundheit. Er verwies darauf, dass in medizinischen Fragen nicht die Krankenkassen entscheiden, sondern Ärzte und Kliniken in Abstimmung mit den Patienten. Die Krankenkasse agiere eher als Agent des Patienten und informiere diesen, welche Kliniken qualitativ gute Behandlungskonzepte anbieten. Rapid Recovery sieht er in diesem Zusammenhang als eine zukunftsweisende Initiative an, welche grundsätzlich die Unterstützung der Kassen verdiene.

 

Patienten profitieren von strukturierten Behandlungsprozessen

 

Gewachsene Traditionen und ein System von oft unnötig zersplitterten Zuständigkeiten sind die wichtigsten Gründe für die langen Verweildauern in Deutschland. Diesen Standpunkt vertrat Prof. Dr. Wolfgang Goetzke vom Institut für Gesundheitswirtschaft in Köln. Mit einem ganzheitlichen Ansatz und einer patientenorientierten Medizin könne dies überwunden werden. Dabei müsse auch der Patient stärker in den Genesungsprozess einbezogen werden. Prof. Kehlet unterstützte diese Position. Er betonte, dass Patienten in integrierten Versorgungsprogrammen zufriedener seien. Zugleich sinken Kosten und Komplikationsrisiken: „Die Ergebnisse zeigen, dass in strukturierten Behandlungsprozessen alles besser läuft. Alle Beteiligten, und besonders die Patienten, gewinnen.“